Bevor wir einen Konflikt mit anderen klären, tragen wir ihn oft zuerst mit uns selbst aus. Verschiedene innere Anteile, Gefühle und Bedürfnisse, werden laut und ziehen in unterschiedliche Richtungen. Die Methode des Inneren Teams nach Friedemann Schulz von Thun macht dieses Stimmengewirr sichtbar und ordnet es. In diesem Beitrag zeigt Elke Schwertfeger, Inhaberin von Zweisicht, anhand eines persönlichen Beispiels auf, wie dir die Mediation mit dem Inneren Team auf spielerische Weise zu Klarheit und einem souveränen Auftreten verhilft.
Was ist die Mediation mit dem Inneren Team?
Die Mediation mit dem Inneren Team überträgt die Grundprinzipien der Mediation auf ein Gespräch mit dir selbst. Das Modell des Inneren Teams von Friedemann Schulz von Thun geht davon aus, dass in bestimmten Situationen in dir unterschiedliche Anteile reagieren mit eigenen Bedürfnissen, Werten und Erfahrungen – fast wie eine Gruppe, die gemeinsam über dieselbe Situation berät.
Die Mediation setzt genau hier an: Du hörst jeder Stimme zu, würdigst ihr Bedürfnis und vermittelst zwischen den Stimmen, die sich widersprechen – so wie in einer Gruppen- oder Teammediation. Das Ergebnis ist eine gemeinsam getragene Strategie, der innere Teamvertrag. Dieser Weg ist besonders in den Momenten hilfreich, in denen du mit dir selbst ringst.
Das Innere Team hilft dir bei Ambivalenz und inneren Konflikten.
Die Methode unterstützt dich besonders in diesen Situationen:
- schwierige Entscheidungssituationen
- Ambivalenz und Entscheidungsblockaden
- Konflikte mit anderen Menschen
- Situationen, in denen Kopf und Bauch unterschiedliche Signale senden
Genau in so einer Situation steckte ich (Elke Schwertfeger) als eine Pflegekraft im Heim meiner Mutter eine Grenze überschritt. Wie ich mit dem Inneren Team in dieser Situation Klarheit fand, zeige ich dir jetzt Schritt für Schritt.
So gibst du widersprüchlichen Gefühlen und Bedürfnissen eine Stimme.
Zunächst geht es darum, alle Stimmen wahrzunehmen, die gerade da sind, und ungefiltert aufzuschreiben, was sie sagen – noch ohne zu bewerten oder zu sortieren oder sie „vernünftig zu machen“. Bei mir sah das so aus: Meine Mutter war verunsichert und wütend, ich musste den Konflikt klären. In mir kamen sehr unterschiedliche Anteile zur Sprache:
- „Das ist alles zu anstrengend.“
- „Das geht gar nicht. Die Pflege hat das Berufsethos verletzt!“
- „Schütze deine Mutter!“
- „Halte die Füße still, du willst den Platz nicht verlieren“
- „Kläre das professionell und suche das Gespräch!“
- „Das zeige ich an, ich kämpfe mit wehenden Fahnen gegen Unrecht!”
Danach gibst du jedem Anteil eine Stimme: einen Namen, eine Rolle oder ein Bild. So sah das bei mir aus:
- Aus: „Das ist alles zu anstrengend“ wird die Ruhebedürftige mit dem Bedürfnis nach Entlastung
- Aus: „Das geht gar nicht. Sie hat das Berufsethos verletzt!“ wird die Moralische, der Werteorientierung wichtig war.
- Aus: „Schütze deine Mutter!“ wird die fürsorgliche Tochter, die Fürsorge und Anerkennung brauchte.
- Aus: „Halte die Füße still, du willst den Platz nicht verlieren“ wird die egoistische Tochter, die ebenfalls Entlastung suchte
- Aus: „Kläre das professionell und suche das Gespräch!“ wird die Mediatorin, der Berufsethos und Glaubwürdigkeit wichtig waren.
- Aus: „Das zeige ich an, ich kämpfe mit wehenden Fahnen gegen Unrecht!” wird die Gerechtigkeitsfanatikerin, die für Gerechtigkeit kämpfen wollte.
Ich zeichnete mein Inneres Team, in die Mitte die Teamchefin, die Teammitglieder drumherum. Größe, Nähe und Position der Figuren verrieten mir viel – wer stand mir nah, wer versuchte, die anderen zu übertönen, wer wurde von mir sonst eher ignoriert. Willst du jedes Teammitglied noch genauer verstehen, hilft dir ein Steckbrief.
Name Teammitglied | Was sagt es? (Wörtliche Rede) | Was will es? (Erster Impuls) | Welche Gefühle hat es? | Was braucht es? (Bedürfnisse) |
Wie wird aus dem Stimmengewirr eine klare Strategie?
Führe deine Teammitglieder gedanklich an einen Tisch und gib jedem Bedürfnis Raum und Würdigung. Dann prüfst du: Lassen sich Bedürfnisse mit einer gemeinsamen Strategie befrieden? Können manche warten oder zurücktreten? Anspruchsvoll wird es bei den größten Gegenspielern im Team – hier brauchst du, wie in der Mediation, kreative Lösungen. Am Ende steht der innere Teamvertrag: eine Strategie, die du noch einmal auf Stimmigkeit prüfst.
In meiner Situation drehte ich die Stimme der Mediatorin lauter und dimmte die Gerechtigkeitsfanatikerin und die Moralische leiser. Diese beiden Stimmen kannte ich schon lange, sie führten aus alten Zusammenhängen heraus manchmal Kämpfe, die die aktuelle Situation gar nicht brauchte. Die fürsorgliche, die rationale und die erschöpfte Stimme bekamen dafür mehr Gehör.
Am Ende entschied ich mich gegen eine Eskalation und Strategie der schweren Geschütze und für ein Gespräch mit der Leitung. Es folgte ein gemeinsames Gespräch mit Leitung, Pflegekraft, meiner Mutter und mir – emotional, aber mit einer aufrichtigen Entschuldigung und klaren Vereinbarungen für die Zukunft. Der Zwischenschritt der inneren Klärung bewahrte mich vor einer Kurzschlussreaktion und sorgte für eine mediative Bearbeitung des Konflikts.
Innere Klarheit sorgt für ein souveränes Auftreten im Konflikt.
Nutze die Mediation mit dem Inneren Team für dich: Vor einem schwierigen Gespräch mit einer Mitarbeitenden oder einem Geschäftspartner sortierst du erst deine eigenen Stimmen. Dein Inneres Team handelt in der Folge einvernehmlich, und spätere Grübelschleifen bleiben aus. Leicht ist dieser Weg nicht – bist du persönlich betroffen, fällt diese Klarheit schwer. Doch genau dann lohnt er sich am meisten
Steckst du gerade in einem Konflikt, bei dem dir die innere Klarheit fehlt? Wir bieten fundierte Konfliktdiagnostik und begleiten dich mit Mediation und Coaching zu einer konstruktiven Lösung.
Vereinbare ein unverbindliches Vorgespräch mit uns.
Buchtipp:
Karen Zoller. Beratung und Coaching mit dem Inneren Team. Das Praxisbuch.
Verlag Klett-Cotta 2026
Mit einem Vorwort von Friedemann Schulz von Thun