2 Beispiele für die Anwendung von THE WORK nach Byron Katie

THE WORK von Byron Katie ist eine effektive Methode zur Selbstklärung. Sie hilft innere Konflikte zu identifizieren und die dafür ursächlichen Glaubenssätze zu lösen. Ina Rudolph ist Coach für THE WORK und lehrt seit 2016 an der Zweisicht.Akademie. In diesem Gastartikel gibt unsere Referentin zwei Beispiele für die Anwendung von THE WORK.

THE WORK ist eine geniale Methode, die jedem, der sie anwendet, zu überraschenden Einsichten verhilft. Wir können damit unseren Blickwinkel erweitern und neue Perspektiven einnehmen. Wir können sozusagen aus der Box herausdenken. Das hilft Menschen in beratenden Berufen einen weiten, liebevollen und kreativen Blick sich selbst, auf ihre Arbeit und die Klienten zu gewinnen.

Ein Beispiel für die Anwendung von THE WORK zur Selbstreflexion

Ich selbst schaue mir z. B. alles, was in meiner Arbeit nicht flutscht, sich nicht nach meinen Wünschen entwickelt oder einfach nicht vorwärts geht, mit THE WORK an. Das kann im Bereich Akquise sein, im finanziellen Bereich oder auch die Arbeit mit Klienten betreffen.

Zuletzt habe ich mich mal wieder für eine WORK auf mein Sofa gesetzt, da mein Verlag zu zwei Exposees, die ich für neue Buchthemen eingereicht hatte, gesagt hat: „Ja, können wir machen.” Das ist ja einerseits eine Zusage, allerdings lockt „Können wir machen” mich auch nicht hinter dem Ofen vor. Bei mir tauchten Gedanken auf wie: „Jetzt muss ich mir einen neuen Verlag suchen” und „Sie glauben nicht mehr an mich.”

Nach der Überprüfung dieser Gedanken mit THE WORK konnte ich sehen, dass ein neuer Verlag mir neue Chancen und Kontakte bringen kann und dass ich darauf richtig Lust habe. Außerdem trage ich mich schon seit längerem mit der Idee, wieder etwas Belletristisches zu schreiben. Sollte ich für meine Sachbuchthemen also keinen Verlag finden, der sich dafür begeistert, kann ich meiner Romanidee folgen. Beide Möglichkeiten fühlen sich für mich kraftvoller und selbstbestimmter an, als meine ängstlichen Gedanken.

Ein Beispiel für die Anwendung von THE WORK im Coaching

Ich mache immer eine WORK vor der Gruppe, damit die Teilnehmenden einmal zuschauen können, wie ich arbeite. In meinem letzten Seminar hatte ich eine Frau vor mir sitzen, die so stinkesauer auf ihren Mann war, dass sie keinen anderen Ausweg sah, als sich scheiden zu lassen. Sie hatte die Nase gestrichen voll.

Sie erzählte davon, wie es war, wenn sie mit ihrem Mann im Auto fuhr. Sie ärgerte sich über seinen unsicheren Fahrstil und darüber, dass er mal wieder überhaupt nicht auf sie einging und unaufmerksam war. Sie war einhundertprozentig davon überzeugt, mit dem größten Muffel aller Zeiten verheiratet zu sein und war der Meinung, das nicht verdient zu haben.

In unserer WORK vor der Gruppe konnte sie erkennen, wieviel sie gedanklich in seinen Angelegenheiten war, nahezu neunzig Prozent der Zeit, die sie miteinander verbrachten. Nicht nur, dass sie mit ihren Gedanken nicht in ihrem eigenen Leben war, ihre Gedanken über ihn waren auch noch alle unzufriedener Natur. Er müsste anders Autofahren. Er sollte sie bestimmte Sachen fragen, was er nicht tat.

Ich konnte meine Klientin zu dem Experiment bewegen, auf dieser Autofahrt, die sie als Beispiel genannt hatte, probeweise nur in ihren Angelegenheiten zu bleiben. Ihr Mann darf alles genauso machen, wie er es in ihrem Beispiel macht und sie lenkt ihre Gedanken auf Themen, die sie selber betreffen.

In diesem Experiment dachte sie an ihren Sohn, zu dem sie unterwegs waren und freute sich über die neuen Schuhe, die sie sich gekauft hatte und die sie im Auto zum ersten Mal trug und an das Buch, dass sie gerade las. Meine Klientin musst plötzlich laut lachen. Ihr fiel auf, dass sie den Fahrstil ihres Mannes gar nicht bemerkte, wenn ihre Gedanken nicht kritisch auf ihn fixiert waren.

Am Ende konnte ihr Mann so bleiben, wie er war und sie konnte bleiben, wie sie ist und sie musste sich nicht scheiden lassen. Sie lernte, mit ihren Gedanken in ihren Angelegenheiten zu bleiben und das war ihr noch für viele weitere Situationen in ihrem Leben hilfreich. 

In den achtzehn Jahren, die ich nun schon mit THE WORK arbeite, habe ich oft gesehen, dass die Lösung eines Problems so einfach sein kann und Scheidungen, juristische Prozesse oder Streits damit vermieden werden können.

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