In einer sich schnell wandelnden Welt, in der sich Krisen überlagern, fühlen sich viele Unternehmen wie auf unsicherem Kurs. Die Studie „In ungewissen Zeiten: Zuversicht und die veränderte Rolle von Führung im Unternehmenskontext“ von Next Work Innovation & Netzwert Partner liefert wertvolle Einsichten, wie Mitarbeitende und Führungskräfte aktuell die Lage einschätzen, was sie brauchen und welche Führungsformen als hilfreich wahrgenommen werden.
Für die Studie wurden im Juni 2024 insgesamt 1.044 Personen (626 Mitarbeitende und 418 Führungskräfte) aus 23 Branchen befragt. Das sind die zentralen Ergebnisse:
1. Hohe Krisenstimmung
Fast 50% der Mitarbeitenden sagen: Krisenstimmung ist in meinem Unternehmen angekommen, auch wenn das Unternehmen gar nicht von Krise betroffen ist.
2. Führungskräfte nehmen die Stimmung stärker wahr als Mitarbeitende
Auffällig ist, dass Führungskräfte die Krisenstimmung deutlicher wahrnehmen. So geben 34% an, sie hätten den Eindruck, dass die allgemeine Krisenstimmung mittlerweile in ihrer Organisation angekommen wäre. Jedoch nur 21% der Mitarbeitenden teilt diese Ansicht.
3. Bedürfnis nach Führung – aber nicht unbedingt nach Autorität
62 % aller Befragten geben an, dass sie in Krisenzeiten mehr autoritäre Führung brauchen würden (Ja oder teils).
Doch: Dieses Bedürfnis teilt sich auf – während Führungskräfte stärker zur autoritären Führung tendieren (mehr Kontrolle, schnelle Entscheidungen), wünschen sich Mitarbeitende vor allem mehr Struktur, klare Regeln, Orientierung – also Sicherheit und Verlässlichkeit, aber nicht unbedingt strenge Hierarchie oder rigide Kontrolle.
4. Gefahr autoritärer Reflexe
Unter autoritärer Führung werden von Führungskräften und Mitarbeitenden unterschiedliche Dinge verstanden: Mitarbeitende haben das Bedürfnis nach klaren sozialen Regeln, Normen und Werten, und nach klaren Zuständigkeiten und Strukturen. Damit meinen sie keine Führungskraft, die allen sagt, was zu tun ist und klare Kommandos gibt. Führungskräfte erkennen diese Bedürfnisse, befriedigen sie aber nicht. Sie tendieren zu autoritärer Führung (Strong Leadership), zu schnellen aktionistischen Lösungen. So entsteht ein kritischer Gap zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden.
5. Zuversicht als Schlüsselrolle
Die Studie betont, dass Zuversicht in Krisenzeiten kein „nice-to-have“, sondern ein wesentlicher Faktor ist – sie wirkt sich positiv auf Engagement, Leistung und das Sicherheitsempfinden aus. Führung hat die Aufgabe, Zuversicht zu fördern.
Wie Führung in Krisenzeiten wirklich gelingt
Als Organisationsberatung mit dem Schwerpunkt respektvolle und wertschätzende Zusammenarbeit vermitteln wir wichtige Ansatzpunkte für die Führungskräfteentwicklung, in Trainings und Coaching
Führung heißt, Orientierung geben
Führungskräfte müssen Klarheit schaffen: Was ist aktuell wichtig, was nicht.Dafür benötigt es eine transparente ehrliche Kommunikation auch über Unsicherheiten und kritische Entwicklungen. Gleichzeitig braucht es einen klaren Rahmen: Spielregeln, klare Rollen, ausgesprochene Erwartungen geben Sicherheit. Diese brauchen Menschen gerade, wenn vieles unklar ist. Ansonsten verlieren sie sich in zusätzlichen Konflikten, das verschärft kritische Entwicklungen.
Empathie & Beteiligung
Psychologische Sicherheit vermitteln ist aktuell eine Schlüsselkompetenz von Führungskräften. Dafür müssen sie zuhören (am besten aktiv zuhören) und wahrnehmen, wie Mitarbeitende sich fühlen. Schwierige Entscheidungen brauchen Erklärungen und das nicht nur einmal. Gemeinsam nach Lösungen suchen, Betroffene einbeziehen, so weit wie möglich stärkt Vertrauen. Zuversicht vermitteln und Selbstwirksamkeit fördern verhindert Lähmung und Opferdenken.
Kleine Schritte gehen, Erfolge sichtbar machen.
Führungskräfte wirken in Krisen als Vorbild, wenn das schwerfällt, brauchen sie selbst Unterstützung z.B. durch Coaching. So üben sie sich in Gelassenheit und Zuversicht und bleiben resilient. Selbstfürsorge, Teamzusammenhalt, Pausen frühzeitige Konfliktbearbeitung sind Elemente, um Teams krisenfest durch stürmische Zeiten zu führen.
Stress erzeugt Konflikte.
Wenn die Lage angespannt ist, liegen häufig die Nerven blank und es kommt vermehrt zu Konflikten. Konfliktkompetenz ist Führungsaufgabe. Vermitteln bei unterschiedlichen Interessen, Gefühle mit bearbeiten, zugrunde liegende Bedürfnisse der Mitarbeitenden verstehen ist anspruchsvoll. Hier braucht es Investitionen in die Führungskräfte. Mit einem halben Tag Schnupperseminar werden diese nicht sattelfest. Ausreichende Sicherheit beim Führen dieser Themen schafft auch bei den Führungskräften Sicherheit und Gelassenheit. So kann souverän geführt werden und braucht es keine autoritären Verlegenheitsstrategien.
Fazit
Die Studie „In ungewissen Zeiten“ macht deutlich: Menschen in Unternehmen fühlen sich schon jetzt durch eine latente Krisenstimmung belastet; sie brauchen nicht mehr Autorität per se, sondern Sicherheit, Klarheit, Orientierung und Zuversicht. Führungskräfte sind herausgefordert, reflexhafte autoritäre Muster zu hinterfragen – und stattdessen Methoden zu entwickeln, die auf Empathie, Beteiligung und Gelassenheit basieren.
Mit unserem Führungskräftetraining „Gelassen in konflikthaften Zeiten“ können Organisationen genau diese Kompetenzen stärken. Denn Gelassenheit ist kein statischer Zustand, sondern Fähigkeit, auch in stressigen und unübersichtlichen Situationen handlungsfähig, empathisch und klar zu sein. Wer das beherrscht, kann Konflikte nicht nur besser bewältigen, sondern auch Transformationsprozesse, neue Arbeitsweisen und Wandel insgesamt wirksamer und nachhaltiger gestalten.