Führung: Willst Du oder willst Du nicht?

Es ist die Gretchen-Frage der Unternehmenskarriere: Will ich wirklich Menschen führen?

Im Nachwuchs-Förderungsprogramm des Unternehmens Käfer steht diese Frage im Mittelpunkt.

Wichtigster Bestandteil des Curriculums für junge Talente ist der „Orientierungstag“, an dem es neben Vorbildern, Werten und Spannungsfeldern in der Führung vor allem darum geht, sich selbst die Grundsatzfrage zu stellen: Will ich überhaupt eine Führungsrolle?

Ziel des Unternehmens ist es zu verhindern, dass sich Mitarbeiterinnen vorschnell auf eine Führungslaufbahn einlassen, wenn sie in einer fachlichen Karriere eigentlich viel zufriedener und erfolgreicher sein könnten. Bei Käfer geht man davon aus, aus diesem Grund schon einige gute Mitarbeiter verloren zu haben.

Den Nachwuchs-Talenten wird an diesem Tag bewusst, dass Führung vor allem bedeutet, aus der persönlichen „Komfort-Zone“ heraustreten zu müssen: Führungskräfte werden mit unterschiedlichen Erwartungen konfrontiert, die sie niemals alle erfüllen können. Sie müssen damit umgehen lernen, dass ehemalige Kolleginnen ihre Entscheidungen missbilligen. Sie müssen Konflikte aushalten können. Und sie müssen wissen, dass nichts, was sie tun, ohne Wirkung bleibt. Zum Abschluss ziehen die Teilnehmerinnen eine ehrliche Bilanz: Was gewinne ich, was verliere ich mit einer Führungsrolle?

Ist die Entscheidung gefallen, werden die angehenden Führungskräfte individuell gefördert: Es geht nicht darum, die „richtige“ Art der Führung zu lernen – die gibt es nicht – sondern, sich der Spannungsfelder der verschiedenen Führungsstile bewusst zu werden und sich selbst zu reflektieren (für uns eine zentrale Fähigkeit des Führenden!). Firmenchef Michael Käfer spitzt zu: „Fragt Euch, ob ihr Menschen wirklich mögt.“

Quelle: Sylvia Jumpertz: Nachwuchsförderung bei Käfer: Wer will führen?, in: managerSeminare 22 (August 2016), S. 19-25.

Illustration: © Zweisicht

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