Konfliktschlichtung bei der Bahn

Birgit Gantz-Rathmann ist seit 2006 Ombudsfrau bei der Deutschen Bahn und zuständig für Konflikte von Mitarbeiter/innen. Die Bahn ist damit Pionierin im innerbetrieblichen Konfliktmanagement deutscher Unternehmen.

"Das Besondere an meiner Stelle ist aber, dass ich zwar vom Arbeitgeber bezahlt werde, aber weder seine Interessen vertrete noch die Interessen derjenigen, die sich an mich wenden. Ich versuche die Kommunikation vor Ort wieder herzustellen und achte darauf, dass Gesetze, Richtlinien, Betriebsvereinbarungen eingehalten
werden. Falls nicht, hake ich nach." sagt Frau Gantz-Rathmann und betont dabei ihre eigene neutrale Position.

Als Richterin und langjährige Führungskraft musste sie diese Haltung erst lernen: "Ich habe dann doch gemerkt, dass die Eigenschaften, die man als erfolgreiche Ombudsfrau braucht, andere sind. Hier muss man zwar auch den Konflikt analysieren und zuhören, sollte sich jedoch mit eigenen Meinungen und
eigenen Lösungsvorschlägen zurückhalten. Ich war gewohnt zu delegieren,
aber wenn es mir dann eben zu lange dauerte, habe ich auf eine Entscheidung
gedrängt und selbst Vorschläge gemacht."

Da die Nachfrage steigt werden jetzt bei der Bahn interne Mediator/innen ausgebildet. Mit dem Angebot soll "eine andere Kultur, also eine Kultur, in der auch tatsächlich verstanden wird, dass Konflikte zum Leben gehören" gestaltet werden. 

Peter Knapp: Konfliktschlichtung bei der Bahn. Interview mit Birgit Gantz-Rathmann. In: Bundesverband MEDIATION e.V. (Hrsg.): Spektrum der Mediation, Ausgabe 42 (Sommer 2011).

— Konfliktmanagement