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Mediation in der Praxis: Interview mit Petra Agnesens-Heintz

In unserer Reihe „Mediation in der Praxis“ stellen wir ehemalige Teilnehmende unserer Ausbildung in Wirtschaftsmediation vor und wie sie die Ausbildungsinhalte in ihrer beruflichen Praxis einsetzen In diesem Beitrag berichtet Petra Agnesens-Heintz. Sie ist Diplom Pädagogin und arbeitet seit 27 Jahren als Sozialberaterin bei einem großen Unternehmen. Ihre Ausbildung als Wirtschaftsmediatorin hat sie 2009/2010 bei Zweisicht absolviert und im Anschluss die Lizenzierung durch den Bundesverband für Mediation e. V. erworben.

Mediation in der Praxis | Wirtschaftsmediation | Petra Agnesens-Heintz

1. Was hat Dich dazu bewogen, die Ausbildung in Wirtschaftsmediation zu machen?

In meiner Rolle als Sozialberaterin bei einem großen Unternehmen war ich seit Jahren aktiv professionell in der Konfliktklärung tätig. Um noch mehr Rüstzeug für den Umgang mit Konflikten zu haben, entschied ich mich für die Ausbildung zur Wirtschaftsmediatorin. Von meinem Arbeitgeber wurde ich hierbei unterstützt. Ich war zu dieser Zeit auch schon freiberuflich als Supervisorin tätig und erlebte zu diesem Zeitpunkt viele Anfragen zur Konfliktdeeskalation in Teams. So entstand in beiden Tätigkeitsfeldern mein Wunsch, dafür noch besser qualifiziert zu sein.

2. Deine Ausbildung bei Zweisicht ist nun 10 Jahre her. Was ist Dir besonders in Erinnerung geblieben?

Die schöne Atmosphäre in den Seminarblöcken, die auch durch das Vorleben der Haltung eines Mediators von Elke und Christian sehr beeinflusst wurden. Gegen Ende der Ausbildung gab es auch in unserer Gruppe einen Konflikt, der von den beiden so gelöst wurde, wie wir es gelernt hatten. Auch die „Strenge“ der beiden im „Drankommen“ bei Rollenspielen kommt mir heute noch in manchen eigenen Situationen bei der Arbeit als Mediatorin wirklich zugute. Dass unterschiedliche Berufsgruppen in der Ausbildung waren, fand ich auch sehr hilfreich, da je nach Rolle in der Organisation verschiedene Sichtweisen auf Konflikte geworfen wurden. In die vorzüglichen Schulungsunterlagen schaue ich manchmal noch heute hinein. Wir treffen uns nunmehr auch schon seit zehn Jahren zweimal jährlich zu in unserer Intervisionsgruppe. Das gewachsene Vertrauen untereinander gibt Sicherheit. Unser gegenseitiger Austausch ist immer klasse. Mittlerweile treffen wir uns wechselweise an schönen Orten, so dass auch das Wohlbefinden beim Arbeiten nicht zu kurz kommt.

3. Hast Du Dich im Bereich Wirtschaftsmediation danach weiter spezialisiert?

Ich besuche regelmäßig Kongresse. Dazu habe ich eine Weiterbildung in Klärungshilfe gemacht. Meditation und Achtsamkeit in der Mediation interessieren mich. Auch dazu besuche ich Fortbildungen. 

4. Wie nutzt Du die Mediation heute?

Meine beiden Arbeitsfelder – „Non-Profit-Sektor“ im Bereich meiner Selbstständigkeit und „Industrie“ im Angestelltenverhältnis – befruchten sich gegenseitig. In beiden Kontexten geht es eigentlich um das Gleiche. Es geht um den Wunsch nach Freiheit in der Zusammenarbeit. Ich vermittle durch meine Arbeit, dass diese Freiheit nicht in der Entscheidung liegt, ob wir Konflikte wollen oder nicht. Konflikte sind normaler Bestandteil unseres Alltags. Wie man sie gut bewältigt, kann man lernen und damit kommt die Freiheit zurück.

In all meinen Einsatzfeldern treten Menschen in Beziehung, ohne sich manchmal bewusst dafür entschieden zu haben, z. B. durch Umstrukturierung im Unternehmen. Teams werden oft nicht nach Sympathie, sondern nach aufgabenbezogenen Kompetenzen zusammengestellt. Da sind Konflikte unausweichlich.

Durch neue agile Arbeitsformen werden Konflikte zukünftig noch mehr im Alltag auftreten. Da Bedürfnisse wie Sicherheit und Vertrauen durch veränderte Teamzusammensetzung schwerer erlebt werden können.

Mein Anliegen ist, eine Konfliktkultur zu etablieren, in der die Mitarbeitende befähigt werden, Konflikte als Chance zu sehen und nicht zu lange zu warten, auch in frühen Eskalationsstufen Experten hinzuzuziehen.

5. Was war bislang Dein größter Erfolg im Bereich Mediation?

Ich merke oft, dass ich innerhalb eines Bereichs, in dem ich schon mediiert habe, auch von anderen Teams viel früher (in den Eskalationsstufen) angefragt werde. Die Mitarbeiter haben vorher schon viel mehr selbst geklärt und wissen sehr genau, wo sie noch „neutrale Übersetzung“ durch mich benötigen. Das ist schon ein Erfolg.

Mein größter Erfolg war in einer extrem „zähen“ Mediation. Der stillste Teilnehmende gab in dem Moment, als ich innerlich schon aufgeben wollte, den entscheidenden Hinweis, der schließlich zur Konfliktlösung im Team führte. Er war in den drei vorangegangenen Terminen sehr kritisch und abwartend gewesen. Im vierten und letzten angekündigten Termin war es durch ihn – von meiner Wertschätzung aus der „Reserve gelockt“ – noch zu einer zukunftsweisenden Klärung gekommen. Das war toll.

6. Welche Hürden siehst Du beim Einsatz der Mediation in Deinem Arbeitsfeld?

Die Schwellenangst sich einer Mediation zu stellen, ist nach wie vor groß. Oft höre ich von Mitarbeitenden: „So schlimm ist es noch nicht, dass wir Sie benötigen.“ Auch gibt es noch viele Bedenken, dass der Konflikt durch eine Mediation eskalieren könnte. Heftige Gefühle sind im Unternehmenskontext ungewohnt oder sogar tabu. Deshalb fürchten sich die Beteiligten davor, dass sie zur Sprache kommen können. Dabei ermöglicht deren Benennen oft erst einen sachlicheren Umgang miteinander. Das Motto von Elke und Christian „Hinaus geht nur hindurch.“ hilft mir, optimistisch zu bleiben. Ich argumentiere häufig damit, dass Mediation ähnlich wie ein Hustenlöser wirkt, der dafür sorgt, dass alles herauskommen und richtig abgehustet werden kann, um dann zu heilen. Ich höre auch immer wieder vor allem von Führungskräften: „Mediation kostet zu viel Zeit.“ Dabei binden doch Konflikte die ganze Energie, führen zu Krankheit, Burnout usw. Frühzeitige, professionelle Hilfe spart Zeit, Geld und Nerven. 

7. Welchen Tipp hast Du für (frisch gebackene) Mediator/innen?

Ich würde frisch gebackenen Mediatoren und Mediatorinnen raten, sich nicht zu sehr selbst unter Druck zu setzen und sich bewusst zu machen, dass es Übung braucht. Es hilft, wenn man eigene „Fehler“ direkt anspricht und gegenüber den Medianden authentisch ist. Das ist professionell. Mediation ist ein ergebnisoffenes Verfahren. Manchmal gewinnt man „nur“ Klarheit über die jeweilige Position des anderen. Aber auch das ist in der Regel ein entlastendes Ergebnis für die Medianden. Ich nehme das immer schon vorweg, damit die Erwartungen aller realistisch bleiben.

8. Hast Du ein persönliches Motto oder Lieblingszitat zum Thema Konflikt, das Dich begleitet?

Meine 4 U's:

U nbearbeitete Konflikte sind

U rsachen für

U nötige „Kosten“ in

U nbekantem Ausmaß

Mehr über Petra Agnesens-Heintz finden Sie im Netz unter www.tbs-agnesens.de

 

  • Für detaillierte Informationen zur Ausbildung in Wirtschaftsmediation folgen Sie bitte diesem Link.

— Mediation in der Praxis - Mediatoren berichten