Wie sich das Kuschelhormon Oxytocin auf die verbale Kommunikation auswirkt

Die „4 Seiten einer Nachricht“ als Grundlage einer empirischen Studie in der experimentellen Neuropsychologie: Ein Forscherteam der Ludwig-Maximilian-Universität München hat die Wirkung von Oxytocin auf die Kommunikation untersucht.

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Das körpereigene Hormon Oxytocin wird in liebevollen Beziehungen und intensiven Gefühlsmomenten verstärkt ausgeschüttet. Es hat einen positiven Einfluss auf unser Bindungsverhalten, da es Vertrauen und Empathie stärkt. Oxytocin wurde zunächst in der Mutter-Kind Beziehung untersucht, wirkt jedoch in gleichem Maße in allen zwischenmenschlichen Beziehungen.

Über die Effekte des Hormons auf die verbale Kommunikation ist - anders als im Bereich der non-verbalen Kommunikation – bislang wenig bekannt. Die Münchner Forschergruppe untersuchte, ob Menschen mit mehr Oxytocin im Blut Äußerungen anders hören als Menschen, denen man ein Placebo verabreicht hat. Die Fragen, die den Probanden gestellt wurden, basierten auf dem Kommunikationsmodell „4 Seiten einer Nachricht“ von Friedemann Schulz von Thun.

Liebe ist, wenn Dein Wort mir Befehl ist.

Die Forscher konnten nachweisen, dass Oxytocin dafür sorgt, dass die Probanden verstärkt mit dem Appell-Ohr hören und weniger mit dem Sach-, Selbstkundgabe- und dem Beziehungsohr. Außerdem bevorzugten sie die „Appell-Seite“ von Nachrichten. Erstaunlicherweise konnte keine verstärkte Bedeutung des Selbstkundgabe-Ohrs, das auch „Empathie-Ohr“ genannt wird, nachgewiesen werden.

Das bedeutet also: Wenn wir uns einer Person positiv verbunden fühlen, hören wir aus ihren Äußerungen schneller einen Auftrag an uns heraus. 

Die Untersuchung (in englischer Sprache) steht hier zum Download bereit:
“Your word is my command: Oxytocin facilitates the understanding of appeal in verbal communication”, Psychoneuroendocrinology, 20.07.2016.

Illustration: © Zweisicht

— Aus der Wissenschaft