Wie kannst du die Gewaltfreie Kommunikation im Business-Kontext einsetzen, ohne dass es künstlich klingt?

Die Gewaltfreie Kommunikation von Marshall B. Rosenberg (GFK) ist ein äußerst effektives Werkzeug der Konfliktklärung und aus diesem Grund ein wichtiger Bestandteil unserer Ausbildung Wirtschaftsmediation. Mit dieser Methode vermittelst du Empathie und Mitgefühl und kannst echtes Verständnis zwischen Menschen fördern. Jedoch braucht es etwas Übung, dass sie zu dir, deiner Alltagssprache und in den jeweiligen Kontext passt.

Petra Frieß ist Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation. Sie leitet das Aufbauseminar zur GFK an der Zweisicht.Akademie. Im Interview erfährst du, wie sie zur Methode kam, was sie daran begeistert und wie sie die GFK im Business-Kontext einsetzt, ohne dass es künstlich klingt.

Petra Friess Zweisicht

Liebe Petra, für alle, die dich noch nicht kennen: Wer bist du, was treibt dich an, was zeichnet dich aus?

Ich bin Petra Frieß – neugierige Möglich-Macherin, Brückenbauerin und Freundin klarer Worte. Was mich antreibt? Der Wunsch, Begegnungen so zu gestalten, dass Klarheit, Respekt und Herz gleichzeitig Raum finden.

Mein Markenzeichen: verbindende Kommunikation. Eine intensive Phase des Konzern-Umbruchs hat mir gezeigt, wie befreiend echte Dialoge ohne Kampfmetaphern sind. Seither setze ich die Gewaltfreie Kommunikation ein, um Menschen miteinander – und mit sich selbst – in Kontakt zu bringen. Auch wenn es mal knirscht.

Was mich auszeichnet? Ein feines Gespür für Zwischentöne, der Mut, Dinge liebevoll auf den Punkt zu bringen, und die Gabe, selbst in herausfordernden Zeiten Räume für Humor und Leichtigkeit zu schaffen. So entstehen Lösungen, bei denen alle gewinnen

Du bist u.a. Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation. Wie bist du zur GFK gekommen?

Im Grunde war das ein Missverständnis. Ich arbeitete damals als Ausbildungsmanagerin in einem Tec-Konzern. Wir befanden uns in einem Restrukturierungsprozess, es standen viele schwierige Gespräche an.

In Meetings herrschte eine militärische Sprache. Da wurde ein „taktisches Manöver“ vorgenommen, die „Marschrichtung“ vorgegeben oder auch mal gesagt, dass man nun „die Reihen schließen“ müsse. Mich hat das damals irritiert und gestört. Ich wollte lernen, wie man es auch anders – eben gewaltfrei – ausdrücken kann und meldete mich für ein Seminar zur „Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg“ an.

Und dann saß ich in diesem Seminar wie in einem falschen Film. Statt um „gewaltfreie Formulierungen“ ging es um Bedürfnisse und Gefühle. Das mit den Bedürfnissen fand ich, nachdem ich es grob umrissen, hatte, noch einigermaßen praktikabel. Aber im Businesskontext – gerade in einer Personalabbauphase – über Gefühle zu reden, erschien mir realitätsfremd.

Auch wenn ich die Methode damals noch nicht in der Tiefe verstanden hatte, bemerkte ich erstaunt, dass im Seminar unter den Teilnehmenden die Art der Kommunikation eine andere Verbindung entstehen ließ. „Das gefällt mir“, dachte ich, „ich will das mal für mich, ganz privat, weiterverfolgen.“

Wie kam es dann doch dazu, dass du die Gewaltfreie Kommunikation im Business Kontext einsetzt?

Nach einigen Zwischenschritten habe ich mich entschlossen, in einer Jahresausbildung mit der Gewaltfreien Kommunikation in die Tiefe zu gehen. Während dieser Ausbildung ist mir klar geworden, dass es – auf der Methodenebene – die einzige mir bekannte Kommunikationsmethode ist, die weg von der Analyse geht und einen Kommunikationsfluss initiiert. Das hat mich total begeistert und ich habe beschlossen, von nun an in allen Trainings, in denen es um Kommunikation geht, die GFK als Basismodell zu nutzen. Das zieht sich seither bei mir konsequent durch, z. B. habe ich mich für die Ausbildung Wirtschaftsmediation bei Zweisicht entschieden, weil die GFK ein wesentlicher Bestandteil davon ist.

Was waren deine Erfahrungen als GFK-Trainerin im Business-Kontext, z. B. mit Führungskräften und wie setzt du die Gewaltfreie Kommunikation in deinen Firmentrainings ein?

Mir wurde schon in der GFK-Jahresausbildung gesagt, dass die Begrifflichkeit „Gewaltfreie Kommunikation“ im Business-Kontext oftmals schwierig ist. Und das habe ich dann auch selbst erlebt. Als ich in einem Vorgespräch zu einem Training für Führungskräfte wo es um das Führen schwieriger Gespräche ging sagte, dass ich mit dem Modell der Gewaltfreien Kommunikation arbeite, da kam mir beschwichtigend entgegen: „Also so schlimm ist es bei uns nicht, Frau Frieß! Wir hauen uns doch nicht.“ 

Unter uns – mit Worten sehr wohl. Aber das ist ein anderes Thema. 

Deshalb nenne ich es oft anders – wie viele Kollegen von mir auch. Also wenn Du mal die Begriffe konstruktive, empathische oder wertschätzende Kommunikation liest, dann ist oft GFK drin. Und gerade, wenn Führungskräfte schwierige Themen oder Situationen ansprechen oder kritisches Feedback geben wollen, dann bietet das Modell eine wunderbare Chance, dieses klar und gleichzeitig wertschätzend auszusprechen. Das nimmt solchen Gesprächen echt den Schrecken, denn wer führt schon gerne schwierige Gespräche?

Und wer als Führungskraft mal den Unterschied zwischen Lob und Wertschätzung verstanden hat, der kann auch Beziehungen mit Mitarbeitenden, die nicht so auf der eigenen Wellenlänge liegen, respektvoll gestalten. Das macht den eigenen Alltag wirklich leichter.

Was ist deine Definition von Gewaltfreier Kommunikation?

In der Gewaltfreien Kommunikation geht es für mich darum, mit sich selbst und anderen Menschen in Verbindung zu kommen und/oder zu bleiben. Dafür bietet die Gewaltfreie Kommunikation mit den vier Schritten einerseits eine recht einfache Kommunikationsmethode.

Andererseits enthält die Gewaltfreie Kommunikation auch eine Einladung, sich mit der eigenen inneren Haltung zu sich selbst und zum Gegenüber auseinanderzusetzen. Das ist die Kunst, die eigentliche Aufgabe, die darin steckt und die Verbindung überhaupt erst entstehen lässt.

Über die Orientierung an den vier Schritten kann ein Austausch entstehen, der klar, respektvoll, wertschätzend und auf Augenhöhe stattfindet. Und zwar auch dann, wenn wir uns nicht einig sind oder uns in einem bereits eskalierten Konflikt befinden.

Was fasziniert dich an der Gewaltfreien Kommunikation?

Oh je – wo fange ich da an? Ich glaube, am meisten faszinieren mich daran Akzeptanz und Freiheit.

Der Mensch ist nicht sein Verhalten – Das ist wahrscheinlich der Kern. Auch wenn mich Verhalten massiv stört, muss die Person trotzdem nicht blöd sein. Diese gängige Bewertung macht zwar manchmal das Leben einfacher. Sie erfüllt mein Bedürfnis nach Orientierung oder entlastet mich (besser der andere ist blöd als ich).

Gleichzeitig schränkt eine solche Bewertung auch total ein: Ich lerne nichts über den anderen, die Situation, die Hintergründe, es entstehen keine neuen Möglichkeiten oder Ideen. Mich persönlich freut es immer unheimlich, wenn wir im Gespräch an des Pudels Kern kommen, also wenn ich verstehe, worum es der anderen Person eigentlich geht und ich Verständnis für seine Bedürfnisse finde. Danach geht’s meiner Erfahrung nach gemeinsam schnell und leicht, Lösungen zu entwerfen, die für beide passen. Echtes WIN-WIN sozusagen.

Zur Akzeptanz gehört dabei auch die Akzeptanz von Grenzen – meiner eigenen und der Grenzen der anderen. Manchmal kommen wir in der Sache nicht zusammen oder es werden keine neuen Lösungen in Betracht gezogen. Dann kann ich mit der GFK Gespräche wunderbar abschließen: respektvoll, auf Augenhöhe und in großer Klarheit, dass gerade eine Verständigung oder Lösung nicht möglich ist.

Und genau hier endet dann auch die Illusion, dass die Gewaltfreie Kommunikation immer für Verbindung und Harmonie sorgt. Denn mit dieser Klarheit wird auch deutlich, wo welche Verantwortung für das Gesprächsende liegt. Das fühlt sich schon mal unangenehm an.

Wie kann man die Gewaltfreie Kommunikation im Alltag einsetzen, ohne dass es künstlich, aufgesetzt, seltsam wirkt?

Heute kann ich mit großer Überzeugung sagen: Man kann sie immer und überall einsetzen! Damit es nicht künstlich wirkt, braucht es etwas Übung. Das ist wie im Sport: Die Bewegungsabläufe müssen einfach trainiert werden, damit sie dann automatisiert laufen.

GFK-Training bedeutet: Selbstwahrnehmung, Fokussierung, Achtsamkeit und „Vokabeltraining“. Mit letzterem ist gemeint, dass es gerade im Business-Kontext wichtig ist zu schauen, welche Ausdrücke für Gefühle und Bedürfnisse im jeweiligen Umfeld sozial akzeptiert sind.

Als Mitarbeiterin in einem Tec-Konzern hätte ich damals z. B. niemals gesagt, dass ich Angst um meinen Arbeitsplatz habe. Ich konnte aber schon sagen, dass ich mir Sorgen mache, wie es für mich weitergeht und mir die Orientierung fehlt. Im Alltag sind es oftmals diese Feinheiten, die darüber entscheiden, ob es seltsam klingt oder nicht.

Vielen Dank, liebe Petra, für das Interview und die Einblicke in die Gewaltfreie Kommunikation. 

Wir freuen uns, dass wir Petra Frieß als Referentin für die Zweisicht.Akademie gewinnen konnten. Wenn du von ihr lernen willst, wie du die GFK im Business-Kontext anwendest, ohne dass es künstlich klingt, dann sichere dir jetzt deinen Platz im Seminar „Die Gewaltfreie Kommunikation wirkungsvoll einsetzen“!

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