Sind nur die Mediator*innen für das Gelingen einer Mediation verantwortlich?

Mediator*innen können einiges zu einer schnellen und einvernehmlichen Konfliktklärung beitragen, gleichzeitig gibt es auch Anforderungen an Mediant*innen. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Mediation erfüllt sein müssen.

„Wir müssen die Mediation absagen, eine Konfliktpartei ist leider doch nicht gesprächsbereit.” So lautete die Absage unserer Auftraggeberin. Dabei klang die Anfrage vielversprechend, die Auftraggeberin war überzeugt, dass ihre Mitarbeitenden so schnell wie möglich eine Mediation machen wollten. Unter Zeitdruck haben wir ein individuelles Angebot sowie einen vorläufigen Ablauf skizziert, der Termin stand auch schon fest. Ärgerlich – nicht nur für uns – dass die Mediation geplatzt ist, weil eine der wichtigsten Voraussetzungen seitens der Mediant*innen nicht geklärt war.

Mediation ist eine bewusste Entscheidung für eine konstruktive Auseinandersetzung, die nur unter bestimmten Bedingungen funktioniert.

Mediation ist ein freiwilliges, strukturiertes Vermittlungsverfahren zur konstruktiven Beilegung eines Konfliktes mit dem Ziel einen von allen Konfliktparteien akzeptierten Weg aus dem Konflikt zu finden. Dafür braucht es den Austausch zu den unterschiedlichen Sichtweisen aller Beteiligten, d.h. alle müssen mitmachen. Nur „hingehen“ reicht dabei nicht aus.

Das Motto einer Mediation lautet: „Verstehen statt Schlagabtausch“

Unter dem Motto „Verstehen statt Schlagabtausch“ arbeiten Mediator*innen individuelle Interessen, Bedürfnisse und Ziele der Konfliktparteien heraus und machen sie für alle verständlich. Mit der Klarheit bezüglich individueller Interessen, Bedürfnisse und Ziele geht es dann um die Lösungsfindung. Als Konfliktpartei brauche ich ein Mindestmaß an Offenheit für das Gegenüber, auch wenn es schwerfällt. Und wichtig dabei ist, Verstehen heißt nicht „einverstanden sein!“

Es geht darum, eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Im besten Fall einigen sich die Beteiligten auf eine gemeinsame Vereinbarung zur konkreten Umsetzung der Lösung, z. B. auf einen Maßnahmenplan oder „Spielregen” für ein respektvolles Miteinander. Gelingt dies nicht, weil Interessen, Bedürfnisse und Ziele zu verschieden sind oder die Vertrauensbasis zerrüttet ist, klärt eine Mediation dies auf konstruktive Weise. Dann besteht die Lösung in einer fairen Art des „Auseinandergehens“.

Was macht ein Mediator bzw. eine Mediatorin?

Mediator*innen hören zu, fassen zusammen, spiegeln die verschiedenen Sichtweisen der Konfliktparteien und gehen dabei empathisch auf Bedürfnisse ein. Sie sind allparteilich, das heißt, sie sind für alle Konfliktparteien gleichermaßen da. Mediator*innen, gestalten den Gesprächsrahmen und machen Konflikthintergründe sichtbar, so dass die Konfliktparteien leichter wieder miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsame Lösungen entwickeln können.

Welche Anforderungen stellen wir an die Mediant*innen?

Es gibt auch Anforderungen an Mediant*innen. Schließlich geht es um ihre Interessen, Bedürfnisse und Ziele. Sind sie nicht bereit, an einen Tisch zu sitzen und bei der Mediation aktiv mitzuwirken, kann der beste Mediator bzw. die beste Mediatorin nichts ausrichten. Diese Anforderungen sollten Mediant*innen erfüllen:

1. Ein Mindestmaß an Offenheit für das Gegenüber

Mediation braucht ein Mindestmaß an Offenheit für das Gegenüber – auch wenn es schwerfällt. Konkret bedeutet das, dass man die andere Sichtweise zunächst einmal stehen lassen, den anderen ausreden lassen und ihm zuhören kann, ohne das Gegenüber von der eigenen Sichtweise überzeugen zu müssen. Mediation ist kein Spiel, bei dem es um Gewinnen oder Verlieren geht. Dabei gilt: „Verstehen heißt nicht einverstanden sein!“

2. Die Bereitschaft zur Selbstreflexion

Zur Konfliktklärung gehört auch die Anerkennung der eigenen Konfliktanteile. Dabei geht es darum, Verantwortung zu übernehmen für die Dinge, die man selbst zum Konflikt beigetragen hat. Es braucht die Bereitschaft zur Selbstreflektion..

3. Transparenz und aktive Beteiligung

Damit Mediator*innen effektiv arbeiten können, sind sie darauf angewiesen, dass die Mediant*innen sich aktiv beteiligen. Mediant*innen sollten bereit sein, ihre persönlichen Sichtweisen von sich aus transparent zu machen und nicht nur auf Fragen zu antworten.

4. Respektvoller Umgang

Eine Mediation ist kein Ort, um endlich mal „Tacheles zu reden“. Verletzungen, Beleidigungen, Drohungen belasten das Klima und erschweren die Auseinandersetzung. Es braucht die Bereitschaft zum konstruktiven Dialog (schon klar, dass dies nicht durchgehend gelingt).

5. Gegenseitige Rücksichtnahme

Die Belastung durch einen eskalierten Konflikt ist groß, alle Konfliktparteien sind gestresst und „angeschlagen“. Deshalb braucht es im Rahmen der Mediation Schutz, Grenzen müssen respektiert werden.

Der Mediator macht das schon, …

Wenn wir bei der Auftragsklärung den Eindruck haben, dass die Erwartung besteht: „Die Mediatorin macht das schon“ oder wir während einer Mediation feststellen, dass die Ernsthaftigkeit bei den Konfliktparteien fehlt, stellen wir klar, dass wir keine Lösungen auf Knopfdruck produzieren oder Probleme wegzaubern können. Damit eine Mediation gelingt, braucht es „Teamwork“ von Mediant*innen und Mediator*innen.

Facebook
Twitter
LinkedIn
XING
WhatsApp
Email
Print

Mit unserem Newsletter halten wir Sie auf dem Laufenden.

Nach oben scrollen